Bewusstsein .. der menschliche Verstand

 

Das Gehirn stellt eine Brücke zwischen dem Geist und der Welt dar. Wir haben zur Welt und zu den eigenen Gedanken Zugang, aber nicht zur Brücke dazwischen. Zwischen unserer Wahrnehmung von uns selbst und der der äußeren Welt liegt das Unbewusstsein, wo alle Gedanken ihren Ursprung haben. 

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Unser Wissen widerspiegelt unseren menschlichen Verstand. Wenn wir den menschlichen Verstand verstehen, verstehen wir unser Wissen. Die Hierarchie des Wissens fängt im Unbewussten mit primitiven Gestalten an, die durch den Eingriff von höherem Verstand (Verallgemeinerung) zu einem rationalisierten Modell der Welt führen. Je größer die Verallgemeinerung, umso abstrakter das Modell. Egal in welchem Bereich - ob Mathematik, Physik, Linguistik, Psychologie oder mystische Religion - unser Wissen besteht aus einem Gebäude der Theorie, gebaut auf einem Fundament, das im Unbewussten residiert. Je näher man an das Fundament kommt, umso mehr haben wir es mit ganz spontaner Gestaltbildung zu tun, je höher man ins Konzeptuelle steigt, umso mehr ist das Wissen abstrakte Theorie.

Gestaltprinzipien sind vermutlich am besten als Bilder bekannt, die plötzlich als eine Figur aus einem unklaren Muster 'heraus-springen'. Erst wird überhaupt nichts erkannt, dann fällt der Groschen. Das Bild rechts zeigt einen Mann, der eine alte Box-Kamera bedient, könnte aber genau so gut ein Kellner sein, der etwas auf einem Tablett überreicht.

 
Gestalterkennung ist unser Hauptmodus des Bewusstseins und weist folgende Eigenschaften auf :
 
             - Information kann ignoriert werden
             - Information kann ergänzt werden
             - Information kann vervollständigt werden
 
Dieser Bewusstseinsmodus ist absolut wesentlich für den Menschen, aber er ist fähig, uns 'Lügen' aufzutischen. Die Vervollständigung geschieht hauptsächlich durch Assoziationen, die komplett im Unterbewusstsein ablaufen, d.h. wir haben recht wenig Kontrolle über den Prozess.

 

 

Philosophen

Die Griechen waren von Thales im 6. bis hin zu Platon im 4. Jahrhundert v.Chr. praktisch nur mit Gestalten beschäftigt. Sie haben schon Erstaunliches erreicht. Thales brachte Mathematik aus Ägypten, Pythagoras entwickelte sie weiter und Euklid brachte die Axiome der Geometrie. Man war aber immer wieder auf der Suche nach Essenzen, der angeblichen Realität der Dinge, die unperfekte Einzelobjekte zu dem machen, was sie sind. Theoretisierung war an der Vorderfront. Die Himmelskörper rotierten auf festen Ringen, die Sterne wurden durch Löcher im Ring verursacht, wodurch das Feuer des umgehenden Himmels durchleuchtete. Die Erde war mal eine Scheibe, mal eine Kugel, dann wieder mal eine Scheibe. Selten versuchte man, dies anhand von Experimenten zu bestätigen. Man hatte den festen Glauben, dass die reale Realität sich hinter den Kulissen der weltlichen Phänomene versteckte und nur auf einen ausreichend scharfen Verstand wartete, um sie zu enthüllen. Hier sehen wir ein klassisches Beispiel der menschlichen philosophischen Existenzkrise. Wir sehen überall in der materiellen Welt unperfekte Beispiele von Sachen der vorstellbaren perfekten Welt, haben aber keinen direkten Zugang zu dieser perfekten Welt, denn die Perfektion ist eine vom Unbewusstsein erzeugte Imagination. Erst bei Aristoteles sehen wir mehr als nur einen Schimmer von Empirismus, der erst ein Jahrtausend danach mit Galilei seinen Anschluss sah.

 
 
Die Rationalisten der Renaissance (Déscartes, Spinoza, Leibniz und viele weitere) waren nur bedingt anders. Hier ging es darum, das Fundament, das von den Griechen gelegt wurde, vollständig rational zu beweisen. Die Arbeit von Spinoza hat den Anschein eines modernen Physikbuches. Es wird klar definiert, was Definition, was Axiom, was Scholium, was Gesetz ist. Jeder Punkt ist logisch ableitbar von den Vorhergegangenen. Es sollte alles Wissen ganz konkret auf Papier gebracht werden. Wissen, dass unabhängig vom Menschen definiert werden kann. Dieser Trend ging bis mindestens Mitte des 20. Jahrhunderts und hat bestimmt noch heute seine dogmatischen Anhänger. Gewisse Höhepunkte sind klar. Mathematiker um die Jahrhundertwende (z.B. Frege, Weierstrass und Hilbert) wollten eine vollständige und beweisbar richtige Mathematik. Dann könnte alles Wissen anhand von mathematischen Operatoren innerhalb eines vollständig rationalen Systems nachvollzogen werden. Das Universum hätte dann keine Geheimnisse mehr. Gödel half der Sache allerdings nicht sehr, als er bewies, dass die Mathematik nie komplett werden könnte.
 
 
 

[2] Meine Grafix, aber inspiriert von Joachin Fuster, Cortex and Mind, Oxford, 2003.

 

 

 

 

 

 

 

Der menschliche Verstand reicht vom unrealen unbewussten Natürlichen bis hin zum höchsten unrealen Abstrakten. Liegt, dazwischen, eine reale Realität?