Hypnagogia

Hypnagogia ist der Bewusstseinszustand zwischen Wachsein und Schlaf. Wir kennen ihn vermutlich alle. Jeder kann ihn aber erforschen. Es ist nicht nur passives Träumen. Man kann mit Erfahrung aktiv eingreifen. In diesem Zustand erfährt man eine durchaus reale Welt, die aber ganz anderen Gesetzen gehorcht. Ein Tiger kann gleichzeitig und ganz offensichtlich mein Bruder sein. Ich kann auf selbstständige Weise fliegen. Die Logik der wachen Welt wird durch eine andere Logik ersetzt. Hier erfahren wir das Wirken des Unterbewusstseins. Das Ego wird mehr und mehr aufgelöst und die automatisierte Rationalität der 'Normalität' wird durch eine andere ersetzt. Es kann wunderbar oder auch tragisch sein. Man kann den Zustand wach einsetzen, um Kreativität hervorzuzaubern. Allerdings, verliert man die Kontrolle, kann das Unterbewusstsein die Oberhand gewinnen und Angst oder sogar Psychosen können die Folge sein ... "Hypnagogia ist vielleicht der einzige natürlich vorkommende Bewusstseinszustand, in dem gesunde Menschen zumindest einen Blick in die Natur des Wahnsinns gewinnen können" [4]. Es ist auch die Welt, in der Perfektionen, Liebe und Platonische Formen geboren werden. Aufgepasst! Die Realität dieser Dinge ist mindestens fragwürdig.


 
Ich schlief. Ich habe gerade das Licht eingeschaltet, aber es kommt kein Licht. Dann dämmert es. Ich schlafe noch. Ich will mein Bein aus dem Bett bringen, es bewegt sich aber nicht, ich bin gelähmt. Dann dämmert es. Ich schlafe doch. Also wache ich, setze mich auf, und strecke die Arme beim Gähnen. Die Beine sollen jetzt auf den Boden aber ich bin gelähmt! Scheiße! Ich schlafe immer noch! Traum in einem Traum in ...? Ein Zustand mit einem Bein in beiden Welten.
 
 
 
 
 
Das Unbewusste der Musik
 
 
 
Ein Neuling an einem Instrument ist meistens schon mit dem Kinästhetischen (Motorischen) überfordert. Wie kriege ich alle meine Finger rechtzeitig hin? Ich schaffe nicht alles auf einmal! Schade, dass wir als aufrechtgehende Brülaffen nur in der Lage sind, an gerade eine dieser Sachen - vielleicht wohl doch maximal zwei - gleichzeitig denken zu können. Entweder können wir auf einen Aspekt fokussieren, wie z.B.
.. oder ... wir entscheiden uns, unsere mickrigen Fähigkeiten zu teilen und fokussieren auf mehrere Sachen mit geringerer Auflösung ... 
 
Auch dies ist nur bedingt möglich, deswegen muss geübt werden, damit alles möglichst automatisiert und im Unterbewusstsein verankert wird.
 
 
 
 
 
 
Religion
 
 
Christ, Moslem, Buddhist, Hindu ...
Die Basis aller Religion ist die persönliche Erfahrung, die man durchaus als Offenbarung bezeichnen könnte. Erforscht man die Gründer der Religion (Mohammed, Jesus, Buddha ...) und interpretiert die Schriften entsprechend dem Menschen - und nicht dem institutionalisierten Glauben einer längst versteinerten Theologie - wird Religion eindeutig fast ausschließlich zu einer primitiven Gestalt. Man spricht von der Eins, dem Ein und Alle, dem Zeitlosen, dem Allgegenwärtigen. Alles Gestalten. Christentum und Islam haben ihren Avatar - die Verkörperung des Göttlichen in menschlicher Form - die es ihnen ermöglicht, das Himmlische die Erde zu bringen. Die Götter der Upanischaden bzw. des Bhagavad Gitas sind ebenso durch und durch menschlich. Gautama Buddha hatte - als einziger - den Mut gehabt, Gott zu entsagen und zu akzeptieren, dass der Mensch immer im Vordergrund war, und dass dafür eine Lösung her muss. Die Suche nach der Erleuchtung ist ganz klar eine Suche innerhalb des Selbst. Als mystischem Christ entspringt das, was Steiner detailliert als höheren göttlichen Gedanken beschreibt, eindeutig eher dem menschlichen Unterbewusstsein.

 
 
 
 
[4] Andreas Mavromatis, Hypnagogia, Routledge Kegan & Paul, 1987.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wiederholt träume ich von Reisen durch Gebäude, Städte und Landschaften, wo die Welt ganz anders konstruiert ist.